Der Stadtrat von Zürich will unter dem Titel „Kunst im öffentlichen Raum“ mit speziellen Projekten in dieser Stadt besondere Akzente setzen. Grundsätzlich gibt es gegen solche Projekte – wenn sie der städtebaulichen Aufwertung und der Freude des Publikums dienen – nichts einzuwenden.
Nun will der Stadtrat aber an der Limmat ein Projekt realisieren, das seine Wurzeln Seemeilen weit entfernt von der heutigen Realität hat. Unter dem Titel „zurich transit maritim“ will der Stadtrat mit pseudo-archäologischen Ausgrabungen beweisen, dass Zürich in ferner Vergangenheit einst am Meer lag. In drei Etappen würde die maritime Vergangenheit Zürichs symbolisiert durch das Aufstellen von Hafenpollern am Limmatquai, durch das Aufstellen eines Hochseehafenkrans beim Rathaus und als dritte Etappe durch das regelmässige Ertönen lassen von durchdringen Signalen eines Schiffshorns.
Für den Wettbewerb, die Umsetzung und die Installation stehen 600’000 Franken zur Verfügung – richtiger gesagt, standen zur Verfügung. Denn nicht überall findet diese Steuergeldverschleuderung für ein aus dem Reich der Märchen stammendes Projekt begeisterten Anklang. In der Debatte zum Budget 2010 strich darum der Gemeinderat 80'000 Franken mit dem Hinweis „kein Hafenkran“ und damit drohte das endgültige Aus für das maritime Märchen des Stadtrates.
Das will sich der meeresfreudige Stadtrat von Zürich keineswegs gefallen lassen. So hat er sich zu einer Crew von Seeräubern formiert, um unter der Führung von Seeräuberbraut Ruth Genner einen Trick zu suchen, mit dem er den, dem Meeresabenteuer feindlich gesinnten Gemeinderat über die Reling ins kalte Wasser befördern kann, um die Meeres-Illusion am Limmatquai doch noch aufleben zu lassen.
Hier verlassen wir die maritime Fantasiererei der Seeräuber von Zürich und kehren zum bitteren Ernst des politischen Alltags zurück. Der Stadtrat liess das Projekt überarbeiten und verlegt die Etappe mit dem Installieren des abgelehnten Hochseehafenkrans ins Jahr 2012. Dann beantragt der Stadtrat die dafür notwendigen Mittel ein zweites Mal in der Debatte für das Budget 2012 und rechnet fest damit, dass er den Budgetposten – mit der neuen politischen Gemeinderats-Zusammensetzung nach den Wahlen 2010 – spielend durchbringt. Durch das Austricksen des ersten Gemeinderatsbeschlusses hofft der Stadtrat, seinen Willen durchsetzen zu können.
Die SVP verurteilt dieses Vorgehen aufs Schärfste und wird mit allen Mitteln gegen die erneute Budgetierung kämpfen. Sie ermahnt den Stadtrat dringend, sich an die demokratischen Spielregeln zu halten. Diese Ermahnung ist dringend nötig, weil es den Stadtrat offenbar gelüstet, zu solchen seltsamen Methoden zu greifen. So erklärte in der letzten Gemeinderatssitzung eine durch die Ablehnung eines Zusatzkredites enttäuschte Stadträtin Ruth Genner wörtlich: „Wir werden schon noch ein Kässeli finden, aus dem die Finanzierung trotzdem möglich ist.“ So geht es natürlich nicht und die SVP-Fraktion wird die gemeinderätliche Aufsichtspflicht über die Exekutive mit aller Konsequenz wahrnehmen.
Zurück